»Gakō« könnte man als eine Art Künstlernamen beschreiben. Ich habe mir diesen Namen selbst gegeben, als ich Kalligrafie in Japan studierte. Der Namen besteht aus zwei Zeichen bzw. Lauten, welche man mit »Motten« und »Licht« übersetzen könnte. Ich bin auf den Namen gekommen, als ich eines Nachts an meinen Kalligrafie-Hausaufgaben saß. An meinem Fenster sammelten sich Schwärme von Motten, getrieben von dem Bedürfnis, dem Licht nahe zu sein, das meinem Zimmer entfleuchte. In diesem Augenblick begriff ich, dass auch ich im Grunde nach nichts anderem strebe.
Licht kann viele verschiedene Formen und Namen haben. Glück, Wissen, Liebe, Freude, der Name einer geliebten Person und vieles mehr. Umso poetischer erschien mir nun das Bild einer Motte, die zwar ihr Ziel erreicht, doch damit in der Flamme einer Kerze ihr tragisches Ende findet. Diese bittersüße Poesie erinnert an Ikarus, den ich für mich in dieser Parabel neu entdeckt habe.
Der Laut »Gakō« lässt sich passenderweise mit »Künstler« übersetzen. Gakō, ein Name, dessen künstlerischer Gravitas ich vermutlich mit meiner »Kunst« nicht werde gerecht werden können. Andererseits ist mir nicht daran gelegen, ein archetypisches Künstlerleben zu führen, mit dem diesem innewohnenden tragischen Ende. Letztlich weiß man wohl erst zum Schluss, ob das Licht, nachdem man strebt, der Mond oder die Flamme ist. Auf die eine oder andere Weise hat sicher jedes Licht letzten endes etwas heilbringendes.