27.09.2018
Einiges passiert und dann eigentlich auch nicht viel. Natürlich fällt mir immer dann ein, dass ich schreiben will, wenn ich keine Zeit habe. War jetzt in Kyoto auf eigene Faust. Immer noch die schönste Stadt Japans, mit großem Abstand zu Tokyo und Osaka. Am Kamogawa Fluss habe ich mich kurz niedergelassen und den lieblichen Klang Irischer Volksmusik vernommen. Eine Gruppe von jungen Japanern spielte nicht weit von mir entfernt auf Gitarre, Geige, Flöte und sogar eine irische Bouzouki war dabei. Zurück in Deutschland hatte ich oft romantische Tagträume, in denen ich als Geigenvirtuose genau solche Musik an genau dieser Stelle, in Kyoto, spielte. Ein Moment des Glücks hat mich erfasst als ich dort am Fluss im Grass saß und die fröhliche Musik hörte. Kurz habe ich sogar an so etwas wie Schicksal geglaubt.
Als die Musik verstummte, gab ich einsamen Applaus. Ein junger Kerl aus der Gruppe kam daraufhin mit einem Lächeln auf den Lippen zu mir. Mit gutem Englisch seinerseits und schlechtem Japanisch meinerseits haben wir uns bestens unterhalten. Ich verbrachte einige Minuten mit ihm und seiner Gruppe von Freunden. Sie haben mich eingeladen zu einem Parkkonzert am Sonntag zu kommen. 2,500 Yen Eintritt, das sind um die 23 Euro! ... Aber natürlich komme ich. Neben den wundervollen Klängen haben es mir auch die lieblichen Blicke der noch süßeren Mädchen angetan. Sie lassen mir keine andere Wahl. Vielleicht ist das der Fehler meiner Jugend, nach dem ich suche.
Welchen Fehler ich meine? Ich bin wirklich der letzte Mensch, der mit seiner Freundin unzufrieden sein darf. Sie ist mit Abstand das Beste was mir an Frauen jemals passiert ist (bis auf Mutti). Sie ist wunderschön, sexy, lustig, liebenswürdig, etwas emotional, aber das Wichtigste: Sie liebt mich. Und das kann sie mir auch sagen, ohne zu zögern. Anders als ich. Ich kann das nicht so sagen, weder zu ihr noch zu mir. Wer sie kennt, weiß, sie ist ein Mädchen fürs Leben. Doch so sehr ich es auch wollen würde, ich befinde mich gerade in einer Phase meines Lebens, in der man diese Sicherheit nicht will.
Es ist nun einmal auch so, dass ich in meinem Leben gerne mit mehr als zwei Frauen geschlafen haben möchte. Deshalb haben wir uns für die Zeit in Japan auf eine offene Beziehung geeinigt. Ehrlicherweise ging der Großteil dieses Impulses von mir aus, auch wenn sie die erste war, die das Thema angesprochen hatte. Noch bin ich mir nicht sicher, ob ich überhaupt so ein abgebrühtes Stück Scheiße bin und das wirklich hinkriegen würde. Eigentlich weiß ich, dass es ein Fehler ist. Ich will aber einer der Leute sein, die danach sagen können: “Mach das lieber nicht. Das ist wirklich ein großer Fehler, ich wünschte ich hätte es nicht getan.” Denn die haben leicht reden. Wenn es eine Zeit gibt, die für Fehler da ist, ist es doch die Jugend, oder? Wenn ich dann irgendwann mal Vater sein sollte, möchte ich einfach keiner von denen sein, die ihre Frau betrügen, weil sie meinen, sich in ihrer Jugend nicht ausgelebt zu habe. Das ist es, was ich meine, wenn ich von „Fehlern“ rede.
Apropos Mädels, es gibt eine Kommilitonin aus Deutschland, die meine Aufmerksamkeit erregt hat. Ziemlich sicher, dass sie ein Auge auf mich geworfen hat. Damit hätte ich auch gar kein Problem, doch befürchte ich, dass ihre Gefühle tiefgehender sind, als meine Intentionen. Ich möchte nur ein wenig Romantik und Liebe zelebrieren, aber niemandem das Herz brechen. Generell denke ich, ist es eine schlechte Idee, so einen Fehler in nächster Umgebung zu begehen. Von den Mädchen im Dorm halte ich mich lieber fern.
Morgen ist übrigens eine Dorm-Party, unten auf dem Campus. Das Gebäude, in dem die Party stattfinden soll, erinnert mich an Schwarzweißfotos von Stalingrad aus dem zweiten Weltkrieg. Wenn das Ding bis morgen noch steht, gehe ich auf jeden Fall hin. Freue mich, meine lieben Leidens- und Lebensgenossen besser kennenzulernen.