17.01.2022
sonder n. the realization that each random passerby is living a life as vivid and complex as your own—populated with their own ambitions, friends, routines, worries and inherited craziness—an epic story that continues invisibly around you like an anthill sprawling deep underground, with elaborate passageways to thousands of other lives that you’ll never know existed, in which you might appear only once, as an extra sipping coffee in the background, as a blur of traffic passing on the highway, as a lighted window at dusk.
Dieser Text beschäftigte mich bereits einige Tage als er mir erneut in den Sinn kam, nachdem ich eine selten hübsche, junge Dame mit roten Halblocken und schneeweißer Haut erblickte. Sie lief beim Einkaufen nur kurz an mir vorbei, doch ihr Anblick brannte sich in mein Gedächtnis, wie das Phantombild der Sonne, nach einem flüchtigen Blick in einen wolkenfreien Sommerhimmel. Es muss Schicksal gewesen sein als ich sie einige Stunden später, beim Warten am Campus, wieder fand. Ich wollte weiter gehen, in die Bibliothek und meine Arbeit zu Ende schreiben, doch irgendeine Kraft hielt mich fest, wollte das ich stehen bleibe und zu ihr gehe. Ich merkte wie mein Herz auf einmal anfing stärker zu schlagen. Sonder, dachte ich mir. "Ich will nicht eine namenlose Statistenrolle im Leben dieses selten hübschen Geschöpfes spielen. Außerdem, was habe ich schon zu verlieren, es ist nur die trügerische Sicherheit meiner Komfortzone, die mich weitergehen lassen will. Doch ich weiß genau, ich wäre den Rest des Tages unglücklich darüber mich nicht getraut zu haben. Und wer weiß, vielleicht würde ich es immer mal wieder für den Rest meines Lebens bereuen." Also nahm ich meinen Mut zusammen, ging zu ihr rüber und sprach sie an "Hey, entschuldige bitte. Ich glaube ich habe dich vorhin schon auf der Leipziger gesehen. Ich habe mir selbst versprochen, dass wenn ich dir nochmal begegne, ich dich auf einen Kaffee einlade. Darf ich dich auf einen Kaffee einladen?" Sie wartete geduldig, bis ich zu Ende geredet hatte. Ich war schon fast Stoltz darauf, dass ich meinen ganzen Text ohne stolpern und zittrige Stimme vorgetragen hatte. Dann antwortete sie "Ich bin vierzehn."
Ich glaube "Oh shit!" war das erste was ich antwortete. Der Rest der Erinnerung ertrinkt in einer Flut aus Scharm. Doch sie blieb nett und ich entschuldigte mich, bevor ich einen schönen Montag wünschte und langsam von dannen zog, ohne mir anmerken zu lassen, dass ich am liebsten weggerannt wäre. "Wenigstens haben wir beide jetzt'ne lustige Anekdote zu erzählen." Dachte ich mir, um mich selbst zu trösten.
Rückblickend muss ich sagen, sie sah wohl doch sehr jung aus. Doch weil sie an der Uni wartete dachte ich sie ist einfach nur eine sehr jung aussehende Studentin. Wie auch immer, ich sollte aufhören zu versuchen mich zu rechtfertigen. Manchmal bleibt mal wohl doch einfach lieber nur ein Statist. Andererseits wäre die Welt ohne mein Einwirken um eine peinliche Geschichte ärmer. Ob es das wert war obliegt dem Urteil des Lesers.